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Atomare Gefahr in der Tiefe
Altlast Asse II: Radioaktive Bedrohung aus dem Forschungsendlager bei Wolfenbüttel
 
 
REMLINGEN (Eig. Ber.) Mitten im Berg brodelt es. 89000 Tonnen radioaktiver Abfälle lagern im ehemaligen Kali- und Salzbergwerk Asse II bei Wolfenbüttel. Seit Jahren wird um die gefährliche Müllkippe gestritten. Die Betreiber wollen das Bergwerk schließen. Und werden damit den Befürchtungen der regionalen Bürgerinitiativen Recht geben: Es wäre "Deutschlands erstes atomares Endlager".
53 Fragen drücken das aus, was aus Sicht der Bundestagsfraktion der Grünen viel zu lange jenseits des Blickfeldes gelegen hat. Mit einer Anfrage an das zuständige Forschungsministerium reagierten die Abgeordneten auf die Hilferufe des lokalen Protestes. Nun liegen die Antworten vor. Klarheit herrscht für die Grünen nur in einem Punkt: "Es ist beunruhigend", sagt Sylvia Kotting-Uhl, umweltpolitische Sprecherin der Grünen-Bundestagsfraktion.
Unter anderem beschäftigte er sich mit der Auswirkung von saurem Regen auf die heimischen Wälder, entwickelte neue Verfahren zur Brauchwasseraufbereitung durch Bakterien sowie einen Katalysator zum Abbau von Stickoxiden in Kraftfahrzeugen.
In der jüngeren Vergangenheit beschäftigte er sich mit einem Verfahren zum Abbau von Radioaktivität und dem Abbau von Kohlendioxid ohne thermische Energie - durch natürliche Prozesse.
1965 hat das Forschungszentrum für Umwelt und Gesundheit (GSF) das ehemalige Salzbergwerk Asse II erworben. Eine schnelle Entscheidung, bei der Gedanken an die Sicherheit noch keine Rolle spielten. Vielmehr suchte der Eigentümer eine effektive Nachnutzung für die unrentable Anlage, im Bund setzten die Überlegungen für atomare Endlagerungen ein. Eine Suche nach alternativen Standorten gab es nicht, bestätigte jetzt das Forschungsministerium in der Antwort auf die Anfrage der Grünen.
"Dieser Zeitpunkt zeichnet sich dadurch aus, dass die Gefährlichkeit des Atommülls generell unterschätzt wurde", sagt Professor Rolf Bertram, ehemaliger Leiter des Instituts für Angewandte Physikalische Chemie an der Technischen Universität Braunschweig und Experte Einlagerung von Atomabfällen in Salz.Da es sich bei Asse II bis heute nur um ein "Versuchsendlager" handelt, das der Forschung dienen soll, untersteht es weiter dem Bundesministerium für Bildung und Forschung - und nicht dem eigentlich für Endlager zuständigen Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit. Die Schließung erfolgt demzufolge nach dem Bundesbergrecht, nicht dem Atomrecht.
Doch die Betreiber des GSF versichern, dass auch ohne die strikteren Auflagen des Atomrechts Bedenken überflüssig seien: "Der Schutz unseres Lebensraumes ist auch nach der Schließung gewährleistet." Für die lokalen Bürgerinitiativen, für Wissenschaftler wie Bertram und für die Grünen klingt das wie blanker Hohn. "Alle gegenwärtigen Sicherheitsbekundungen beruhen auf unzulässigen Annahmen und geradezu abenteuerlichen Erwartungen", sagt Physiker Bertram. "In der Antwort des Forschungsministeriums können wir lesen, dass Gefahr droht, wenn wir nicht handeln", ergänzt Kotting-Uhl. Eindringende Salzlauge und das Füllmaterial Magnesiumchlorid griffen die Atommüll-Fässer demnach an: "Niemand weiß, wie viele bereits undicht geworden sind", sagt Bertram. Und ist das Bergwerk geschlossen, ist eine Kontrolle nicht mehr vorgesehen: "Der Zustand der eingelagerten Fässer wird nicht überwacht", heißt es in der Antwort von Staatssekrektär Thomas Rachel.
"Je mehr wir das Bergwerk verfüllen, desto sicherer wird es", beteuert dagegen Asse-Betriebsleiter Volker Schauermann. Wenige Jahre nach der ersten Nutzung haben sich die meisten Annahmen um die Sicherheit revidiert. Bleibt die Frage, was in 100, 1000 oder 10000 Jahren ist, wenn der Müll weiter strahlt. Die drohende Gefahr: Durch eindringende Steinsalzlauge, durch Bewegungen in den alten Stollen und die unbekannten Folgen des "Schutzfluides" Magnesiumchlorid könnte Radioaktivität ins Grundwasser eintreten. Bürgerinitiativen sehen das Trinkwasser von bis zu 2,5 Millionen Menschen bedroht.
Ein Langzeitsicherheitsnachweis für die vom GSF eingeleiteten Maßnahmen soll laut Schauermann am 15. Dezember vorgelegt werden - nach jahrelangen Verzögerungen. "Die Rückholung und Zwischenlagerung unter kontrollierbaren Bedingungen ist die einzig verantwortbare Maßnahme", fordert Bertram. Auch die Grünen plädieren für eine Bergung der Atommüllfässer. Doch das GSF wiegelt ab: Die Kosten würden sich auf bis zu drei Milliarden Euro belaufen, der gesamte Vorgang 40 Jahre dauern. Zudem wird der Zustand des Bergwerks als instabil bezeichnet. Arbeitssicherheit könne nicht mehr gewährleistet werden, für Arbeiter entstünden Strahlenschutzprobleme.
"Die Rückholung wäre Unsinn", sagt Schauermann. Man bräuchte dann ein anderes Zwischenlager. Und das GSF würde zum größten Erzeuger atomarer Abfälle in Deutschland werden. Auch das Forschungsministerium lehnt eine Rückholung als "nicht praktikabel" ab.Bleibt die Frage nach Alternativen. Die Suche nach Antworten wollen die Grünen nun auf Bundesebene vorantreiben. Bereits im März hatte Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) davon gesprochen, dass Asse II "ein Sicherheitsrisiko ersten Ranges" sei. Ein Aussitzen des Problems könnte gravierende Folgen haben.
 
Kreiszeitung 26.10.2006
 
 
 
 
 
 
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